Pastorale Räume
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Pastorale Räume
Dieser Thread ist ein Ableger des Themas Pfarrei [...] ein Auslaufmodell.
"Pastoraler Raum" müsste eigentlich "pastorales Notstandsgebiet" heißen. Unter dem Begriff "pastorale Räume" ein zukunftsweisendes Konzept verkaufen zu wollen, ist etwa so schlau, wie einen Schiffsuntergang als "Tiefgangmaximierung" zu etikettieren.
Worum geht es? Klar: die Zahl der Priester nimmt bei uns rapide ab. Geld ist auch knapp. Der Mangel muss verwaltet werden. Dazu finden im Erzbistum Hamburg Überlegungen statt, wozu dieses Wort als Überschrift eingebracht wurde, ohne dass sich jemand etwas Konkretes darunter vorstellen kann.
Die Gedanken gehen in folgende Richtung:
Es wird nicht mehr einem Priester eine Gemeinde (Pfarrei) zugeordnet. Auch nicht mehrere Gemeinden, von denen dann nur eine eine Pfarrei wäre. Statt dessen bilden die Priester, Diakone und andere kirchliche Mitarbeiter Seelsorgeteams, die für eine größere Region, also etwa ein Dekanat, zuständig sind. Ob das Seelsorgeteam auch örtlich in einem Zentrum zusammengefasst wird oder dezentral residiert, ist offen; wahrscheinlicher ist aber ersteres.
Auch sollen die Gemeinden, sofern sie als organisatorische Einheiten überhaupt noch existieren, nicht das ganze Spektrum der Pastoral abdecken, sondern Aufgabenschwerpunkte entwickeln, die sie für den ganzen oder einenen bestimmten Bereich des pastoralen Raumens erfüllen.
Dabei werden folgende Probleme auftreten bzw. zu meistern sein:
Die Arbeit der Priester wird sich auf die den Priester vorbehaltenen Aufgaben einschränken, also auf das Zelebrieren der Messe und auf das Beichte hören. Sie werden zu Sakramenteuren. Das Priesteramt wird damit zusätzlich unattraktiv.
Im Gegenzug - und das muss nicht einmal ein Nachteil sein - wird das Amt des Diakons aufgewertet. Sie werden taufen, bei der Eheschließung assistieren und beerdigen. Obwohl das Amt des Diakons ja ein anderes sein soll als das eines Schmalspurpriesters.
Der persönliche Bezug des Gläubigen zum Seelsorger wird - insbesondere, wenn das Seelsorgeteam fernab zentral residiert - verloren gehen. Das Seelsorgeteam kann den Charakter eines Dienstleistungsbetriebes bekommen, dessen Service man zu bestimmten Anlässen (über eine Hotline?) anfordert.
Das kann dazu führen, das die Wertschätzung ihnen und der von ihnen gespendeten Sakramente gegenüber abnimmt. So nach dem Motto: "Was will der Fremde denn hier?" Vergleichbar mit der immer wiederkehrenden Frage von Firmanden, was denn der Bischof bei der Firmung wolle, den sähe man doch sonst auch das ganze Jahr nicht.
Die Konzentration von Aufgaben und Aktivitäten an bestimmten ausgewählten Orten wird dazu führen, dass diese nur von verkehrstechnisch flexiblen Personen wahrgenommen werden. Also von Autofahrern und denen, die gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sind. Die übrigen, darunter manche Alte und Behinderte, fallen möglicherweise weg.
Für uns, die wir kein Auto haben, ist die zwei Kilometer entfernte Pfarrkirche noch erreichbar, so lange wir gut zu Fuß und zu Rad sind. Für die nächste, vier Kilometer entfernte Kirche gilt das schon nicht mehr. Eine weitere, 6,5 km entfernte Kirche ist schon aus der Welt, obwohl dort ein Schwesternkonvent mit schönen Gottesdiensten und Besinnungsmöglichkeiten lockt. Die ebenfalls dort angesiedelte "Jugendkirche" mit ihren Angeboten für Teenager wurde von unserer Tochter noch nie besucht. Wie denn auch, am Abend für ein fünfzehnjähriges Mädchen, wenn ich als erwachsener Mann am hellichten Tage auf dem Wege durch jene "Gegend" meine Schritte beschleunige... :-<
Es besteht also die Gefahr, dass mit Preisgabe der lokalen Gemeindearbeit das katholische Leben als Ganzes wegbricht. Wenn aus pastoralen Räumen nicht katholikenfreie Räume werden sollen, gibt es noch reichlich Dinge zu regeln.
Liebe Grüße, Ismael
"Pastoraler Raum" müsste eigentlich "pastorales Notstandsgebiet" heißen. Unter dem Begriff "pastorale Räume" ein zukunftsweisendes Konzept verkaufen zu wollen, ist etwa so schlau, wie einen Schiffsuntergang als "Tiefgangmaximierung" zu etikettieren.
Worum geht es? Klar: die Zahl der Priester nimmt bei uns rapide ab. Geld ist auch knapp. Der Mangel muss verwaltet werden. Dazu finden im Erzbistum Hamburg Überlegungen statt, wozu dieses Wort als Überschrift eingebracht wurde, ohne dass sich jemand etwas Konkretes darunter vorstellen kann.
Die Gedanken gehen in folgende Richtung:
Es wird nicht mehr einem Priester eine Gemeinde (Pfarrei) zugeordnet. Auch nicht mehrere Gemeinden, von denen dann nur eine eine Pfarrei wäre. Statt dessen bilden die Priester, Diakone und andere kirchliche Mitarbeiter Seelsorgeteams, die für eine größere Region, also etwa ein Dekanat, zuständig sind. Ob das Seelsorgeteam auch örtlich in einem Zentrum zusammengefasst wird oder dezentral residiert, ist offen; wahrscheinlicher ist aber ersteres.
Auch sollen die Gemeinden, sofern sie als organisatorische Einheiten überhaupt noch existieren, nicht das ganze Spektrum der Pastoral abdecken, sondern Aufgabenschwerpunkte entwickeln, die sie für den ganzen oder einenen bestimmten Bereich des pastoralen Raumens erfüllen.
Dabei werden folgende Probleme auftreten bzw. zu meistern sein:
Die Arbeit der Priester wird sich auf die den Priester vorbehaltenen Aufgaben einschränken, also auf das Zelebrieren der Messe und auf das Beichte hören. Sie werden zu Sakramenteuren. Das Priesteramt wird damit zusätzlich unattraktiv.
Im Gegenzug - und das muss nicht einmal ein Nachteil sein - wird das Amt des Diakons aufgewertet. Sie werden taufen, bei der Eheschließung assistieren und beerdigen. Obwohl das Amt des Diakons ja ein anderes sein soll als das eines Schmalspurpriesters.
Der persönliche Bezug des Gläubigen zum Seelsorger wird - insbesondere, wenn das Seelsorgeteam fernab zentral residiert - verloren gehen. Das Seelsorgeteam kann den Charakter eines Dienstleistungsbetriebes bekommen, dessen Service man zu bestimmten Anlässen (über eine Hotline?) anfordert.
Das kann dazu führen, das die Wertschätzung ihnen und der von ihnen gespendeten Sakramente gegenüber abnimmt. So nach dem Motto: "Was will der Fremde denn hier?" Vergleichbar mit der immer wiederkehrenden Frage von Firmanden, was denn der Bischof bei der Firmung wolle, den sähe man doch sonst auch das ganze Jahr nicht.
Die Konzentration von Aufgaben und Aktivitäten an bestimmten ausgewählten Orten wird dazu führen, dass diese nur von verkehrstechnisch flexiblen Personen wahrgenommen werden. Also von Autofahrern und denen, die gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sind. Die übrigen, darunter manche Alte und Behinderte, fallen möglicherweise weg.
Für uns, die wir kein Auto haben, ist die zwei Kilometer entfernte Pfarrkirche noch erreichbar, so lange wir gut zu Fuß und zu Rad sind. Für die nächste, vier Kilometer entfernte Kirche gilt das schon nicht mehr. Eine weitere, 6,5 km entfernte Kirche ist schon aus der Welt, obwohl dort ein Schwesternkonvent mit schönen Gottesdiensten und Besinnungsmöglichkeiten lockt. Die ebenfalls dort angesiedelte "Jugendkirche" mit ihren Angeboten für Teenager wurde von unserer Tochter noch nie besucht. Wie denn auch, am Abend für ein fünfzehnjähriges Mädchen, wenn ich als erwachsener Mann am hellichten Tage auf dem Wege durch jene "Gegend" meine Schritte beschleunige... :-<
Es besteht also die Gefahr, dass mit Preisgabe der lokalen Gemeindearbeit das katholische Leben als Ganzes wegbricht. Wenn aus pastoralen Räumen nicht katholikenfreie Räume werden sollen, gibt es noch reichlich Dinge zu regeln.
Liebe Grüße, Ismael
Zuletzt von Ismael am Fr Jul 10, 2009 5:00 pm bearbeitet, insgesamt 3 mal bearbeitet (Grund : Orthographie)

Ismael- Plaudertasche

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Re: Pastorale Räume
Hi Isi,
hmmmm...
auch in meiner Diözese wird an der "Stadtteilkirche" gebastelt, aktuell betrifft es mein Dekanat, also auch meine Pfarrei. In dem Viertel, in dem ich wohne, werden 5 Pfarreien zu einer Stadtteilkirche zusammengelegt. Anfangs waren die Befürchtugen sehr gross, besonders in meiner Pfarrei, weil niemand so wirklich wusste, was so eine Megapfarrei zu bedeuten hat und vor allem niemand wusste, wie es mit den Gemeinschaften weitergeht.
Ein Monstrum also. Wieder so ne Bürokraten-Idee, die irgendwelche Leute am Schreibtisch ausgebrütet haben.
Mittlerweile hat sich die Aufgeregtheit etwas gelegt und ich denke, der Bischof (auch der Eure) ist genug Realist, um zu erkennen, dass einzelne, autarke Pfarreien heute kaum mehr zu halten sind, auch verwaltungstechnisch sowie finanziell.
"Für die paar Hanseln", wie man so schön bayerisch sagt, die sich in der Regel Sonntags zum Gottesdienst einfinden und die paar Hanseln, die vielleicht ab und zu die pfarreieigene Kegelbahn benutzen, lohnt sich der verwaltungstechnische Aufwand, den eine einzige Pfarrei mit sich bringt, einfach nicht mehr.
Beispiel: In meinem Viertel wohnen laut Aussage unserer Diözese über 100.000 Katholiken (ungefähr haben wir 300.000 Einwohner). Pro Pfarrei gibt es durchschnittlich etwa 100 regelmässige Kirchgänger, die sich auch in der Pfarrei engagieren. Der Durchschnitt ist nur deshalb so hoch, weil meine Pfarrei mit den Gemeinschaften die Statistik unseres Dekanats erheblich "schönt".
Okay, Du wirst sicher sagen, und wenn es nur 100 Schäfchen sind...
Du hast Recht, aber trotzdem: Die Pfarrei als ortsbezogener Sprengel wird in nicht allzu ferner Zukunft der Vergangenheit angehören, allein schon aus pastoralen Gründen (Nachzulesen in dem Thread, den Du oben erwähntest).
Bei uns in München ist es so gedacht: Jede Pfarrei, die nach der Reform eigentlich keine mehr ist, behält ihren Seelsorger und ihre eigene Spiritualität, im Kirchenbeamtendeutsch schimpft sich so etwas "Seelsorgeeinheit".
Das heisst aber auch, in meiner und den restlichen vier Pfarreien bleibt alles beim Alten. Nur das Verwaltungstechnische, die wichtigeren Fragen der Seelsorge sowie grössere "Events" werden in Zukunft vom Pfarrer der Pfarrei meiner Mutter in Absprache mit den Pfarrern der übrigen Pfarreien geregelt.
Man kann also sagen: Eine Kirche, vier Filialen.
Was ich nicht schlecht finde.
Denn die Priester werden erheblich weniger Stress mit der Verwaltung haben, dafür umso mehr Zeit für das, wofür sie eigentlich da sind: für die Pastoral, die Katechese und, wir kommen zum nächsten Thema, die Sakramentenspendung.
Isi, ich wäre todfroh, wenn die Priester endlich wieder Sakramente spenden würden, die Eucharistiefeier vielleicht ausgenommen, die wird grösstenteils ja noch "konsumiert", immerhin.
Die Kirche bietet uns sieben Sakramante, die einzigen, die ein Priester/Bischof heute noch spendet sind eben die Eucharistie, evtl Taufe und Firmung, vieeeeeelleicht noch die Trauung.
Und das war's auch.
Wir Katholen sind aber davon überzeugt, dass die Sakramente, die übrigens alle ihren Ursprung in der Taufe haben, sichtbare Zeichen der Treue Gottes sind. Es gibt kein einziges Sakrament, in dem Gott nicht den Menschen direkt anspricht, in sein Leben eingreift. Sichtbare, berührbare, meinetwegen auch in ein "irdisches Gewand gekleidete" Zeichen, die Christus uns durch die Kirche schenkt und die alle direkten Bezug auf unser Leben haben und alle ein Vorgeschmack auf das Heil sind. Also keine Theorie oder frommer Firlefanz.
Wenn ein Priester keine Sakramente spendet, die meisten Leute es nicht mehr wünschen, weil sie keinen Bezug mehr zu ihnen haben, fehlt etwas. Etwas sehr Fundamentales. Eben die "körperliche, existenzielle" Erfahrung, dass Gott über alles, sogar über unser Leben mächtig ist.
Die Katechese, die Postoral der Priester läuft ins Leere, wenn die Christen nicht mehr schmecken, was das lebendige Heil in Christus ist.
Und es gibt viele, die es nicht mehr schmecken. Und sie verhungern im wahrsten Sinne des Wortes.
Darum leider auch die Notwendigkeit der Pfarreienverschmelzung - "Stadteilkirchen".
Petra
P.S. Wenn es zu den Sakramenten weiteren Diskusionsbedarf gibt, schlage ich vor, einen neunen Thread zu eröffnen.
hmmmm...
auch in meiner Diözese wird an der "Stadtteilkirche" gebastelt, aktuell betrifft es mein Dekanat, also auch meine Pfarrei. In dem Viertel, in dem ich wohne, werden 5 Pfarreien zu einer Stadtteilkirche zusammengelegt. Anfangs waren die Befürchtugen sehr gross, besonders in meiner Pfarrei, weil niemand so wirklich wusste, was so eine Megapfarrei zu bedeuten hat und vor allem niemand wusste, wie es mit den Gemeinschaften weitergeht.
Ein Monstrum also. Wieder so ne Bürokraten-Idee, die irgendwelche Leute am Schreibtisch ausgebrütet haben.
Mittlerweile hat sich die Aufgeregtheit etwas gelegt und ich denke, der Bischof (auch der Eure) ist genug Realist, um zu erkennen, dass einzelne, autarke Pfarreien heute kaum mehr zu halten sind, auch verwaltungstechnisch sowie finanziell.
"Für die paar Hanseln", wie man so schön bayerisch sagt, die sich in der Regel Sonntags zum Gottesdienst einfinden und die paar Hanseln, die vielleicht ab und zu die pfarreieigene Kegelbahn benutzen, lohnt sich der verwaltungstechnische Aufwand, den eine einzige Pfarrei mit sich bringt, einfach nicht mehr.
Beispiel: In meinem Viertel wohnen laut Aussage unserer Diözese über 100.000 Katholiken (ungefähr haben wir 300.000 Einwohner). Pro Pfarrei gibt es durchschnittlich etwa 100 regelmässige Kirchgänger, die sich auch in der Pfarrei engagieren. Der Durchschnitt ist nur deshalb so hoch, weil meine Pfarrei mit den Gemeinschaften die Statistik unseres Dekanats erheblich "schönt".
Okay, Du wirst sicher sagen, und wenn es nur 100 Schäfchen sind...
Du hast Recht, aber trotzdem: Die Pfarrei als ortsbezogener Sprengel wird in nicht allzu ferner Zukunft der Vergangenheit angehören, allein schon aus pastoralen Gründen (Nachzulesen in dem Thread, den Du oben erwähntest).
Bei uns in München ist es so gedacht: Jede Pfarrei, die nach der Reform eigentlich keine mehr ist, behält ihren Seelsorger und ihre eigene Spiritualität, im Kirchenbeamtendeutsch schimpft sich so etwas "Seelsorgeeinheit".
Das heisst aber auch, in meiner und den restlichen vier Pfarreien bleibt alles beim Alten. Nur das Verwaltungstechnische, die wichtigeren Fragen der Seelsorge sowie grössere "Events" werden in Zukunft vom Pfarrer der Pfarrei meiner Mutter in Absprache mit den Pfarrern der übrigen Pfarreien geregelt.
Man kann also sagen: Eine Kirche, vier Filialen.
Was ich nicht schlecht finde.
Denn die Priester werden erheblich weniger Stress mit der Verwaltung haben, dafür umso mehr Zeit für das, wofür sie eigentlich da sind: für die Pastoral, die Katechese und, wir kommen zum nächsten Thema, die Sakramentenspendung.
Isi, ich wäre todfroh, wenn die Priester endlich wieder Sakramente spenden würden, die Eucharistiefeier vielleicht ausgenommen, die wird grösstenteils ja noch "konsumiert", immerhin.
Die Kirche bietet uns sieben Sakramante, die einzigen, die ein Priester/Bischof heute noch spendet sind eben die Eucharistie, evtl Taufe und Firmung, vieeeeeelleicht noch die Trauung.
Und das war's auch.
Wir Katholen sind aber davon überzeugt, dass die Sakramente, die übrigens alle ihren Ursprung in der Taufe haben, sichtbare Zeichen der Treue Gottes sind. Es gibt kein einziges Sakrament, in dem Gott nicht den Menschen direkt anspricht, in sein Leben eingreift. Sichtbare, berührbare, meinetwegen auch in ein "irdisches Gewand gekleidete" Zeichen, die Christus uns durch die Kirche schenkt und die alle direkten Bezug auf unser Leben haben und alle ein Vorgeschmack auf das Heil sind. Also keine Theorie oder frommer Firlefanz.
Wenn ein Priester keine Sakramente spendet, die meisten Leute es nicht mehr wünschen, weil sie keinen Bezug mehr zu ihnen haben, fehlt etwas. Etwas sehr Fundamentales. Eben die "körperliche, existenzielle" Erfahrung, dass Gott über alles, sogar über unser Leben mächtig ist.
Die Katechese, die Postoral der Priester läuft ins Leere, wenn die Christen nicht mehr schmecken, was das lebendige Heil in Christus ist.
Und es gibt viele, die es nicht mehr schmecken. Und sie verhungern im wahrsten Sinne des Wortes.
Darum leider auch die Notwendigkeit der Pfarreienverschmelzung - "Stadteilkirchen".
Petra
P.S. Wenn es zu den Sakramenten weiteren Diskusionsbedarf gibt, schlage ich vor, einen neunen Thread zu eröffnen.
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Wenn ich bete,
lege ich mein Herz
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Petra- Admin

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Re: Pastorale Räume
ich denke auch, dass es eine Chance sein kann. In Brasilien sind so die "einfachen" Gläubigen gestärkt worden wirklich Gemeinde zu leben und sich nicht auf den Priester und die Haupramtlichen zu verlassen. Ähnliches habe ich in meiner Heimatpfarrei erlebt, die nun seit schon über 20 Jahren keinen eigenen Pfarrer mehr hat.
Auch bei uns wir inzwischen von Seelsorgebereichen geredet und in diesen gehandelt. ich sehe darin auch eine große Chance.
Bei uns ist der Anteil der Kirchgänger wesentlich höher als bei Petra - gerade in der Pfarrei die keinen eigenen Pfarrer hat. Dort leben ca. 2200 Katholiken und es sind am Sonntag um die 200 Kirchgänger und in der Woche 30 -50, allerdings werden diese Zahlen auch durch unsere Gemeinschaft getragen (teils zumindest) der Anteil der Gläubigen aus den neuen Gemeinschaften beträgt in der Woche um die 90 %.
Allerdings gibt es in unserer Gemeine auch viele neue Gemeinschaften, was den Hauptamtlichen sehr positiv aufgefallen ist das diese sich nicht bekämpfen sondern miteinander arbeiten.
ich denke das kann das positive sein, wenn eine Gemeinde für diese Situation gut betet.
Auch bei uns wir inzwischen von Seelsorgebereichen geredet und in diesen gehandelt. ich sehe darin auch eine große Chance.
Bei uns ist der Anteil der Kirchgänger wesentlich höher als bei Petra - gerade in der Pfarrei die keinen eigenen Pfarrer hat. Dort leben ca. 2200 Katholiken und es sind am Sonntag um die 200 Kirchgänger und in der Woche 30 -50, allerdings werden diese Zahlen auch durch unsere Gemeinschaft getragen (teils zumindest) der Anteil der Gläubigen aus den neuen Gemeinschaften beträgt in der Woche um die 90 %.
Allerdings gibt es in unserer Gemeine auch viele neue Gemeinschaften, was den Hauptamtlichen sehr positiv aufgefallen ist das diese sich nicht bekämpfen sondern miteinander arbeiten.
ich denke das kann das positive sein, wenn eine Gemeinde für diese Situation gut betet.
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Wenn du immer treu bleibst , indem du IHN in den kleinen Dingen erfreust, dann wird ER sich verpflichtet fühlen, dir in den großen beizustehen.
Therese von Lisieux

Philothea- Moderation

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Re: Pastorale Räume
Philothea schrieb:ich denke auch, dass es eine Chance sein kann. In Brasilien sind so die "einfachen" Gläubigen gestärkt worden wirklich Gemeinde zu leben und sich nicht auf den Priester und die Haupramtlichen zu verlassen. Ähnliches habe ich in meiner Heimatpfarrei erlebt, die nun seit schon über 20 Jahren keinen eigenen Pfarrer mehr hat.
Natürlich wird die Rolle der Laien gestärkt, wenn sie von einer versorgten zu einer mitsorgenden Gemeinde werden.
Aber gerade das Beispiel Brasilien bereitet mir Bauchschmerzen. Offensichtlich wird das Kirchenvolk nicht mehr (ausreichend) vom katholischen Glauben durchdrungen. Dort schießen die Freikirchen wie Pilze aus dem Boden. Das können sie doch nur, weil ein Glaubensvakuum da ist, in das sie hineinstoßen können. Oder? Der Gedanke "Wenn keine lebensfähige, real existierende Gemeinde der RKK da ist, dann machen wir das eben ohne Priester alles selbst", fördert diese Entwicklung. Dabei habe ich nicht einmal etwas gegen Freikirchen, aber manche schrammen m. E. ziemlich am Rande dessen, was man noch christlich nennen darf. ("Gott will, dass du reich wirst!" Finaziell gesehen, wohlgemerkt).
Denken wir weiter darüber nach!
LG. Isi
Zuletzt von Ismael am Mi Jul 08, 2009 10:58 am bearbeitet, insgesamt 1 mal bearbeitet

Ismael- Plaudertasche

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Re: Pastorale Räume
Petra schrieb:
Und es gibt viele, die es nicht mehr schmecken. Und sie verhungern im wahrsten Sinne des Wortes.
.
Ja, nur das geistliche "Verhungern" das merkt man nicht.

Ester- Forenlegende

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Pastorale Räume: das boreale und das Event-Modell
Ich will mal versuchen, meine Gedanken der letzten Wochen zu den "pastoralen Räumen" etwas zu ordnen. Um Ornung zu halten, sind Schubladen ganz gut. Nur, wenn mal etwas in Schubladen stecken will, was nur als Ganzes, als ein wie eine Stereoanlage miteinander verbundenes System funktionieren kann, wirds schwierig. Trotzdem: sehen wir uns mal einzelne Modelle an, die man dann ja später als Module eines Systems miteinander verkabelt werden können.
Als da wären:
Das boreale Modell
Boreas ist der Nordwind, boreal heißt nördlich. Reisen wir also mal dem Polarstern entgegen. Viele kennen die Schilderungen aus der extremen Diaspora, beispielsweise aus Norwegen. Da fahren die wenigen Katholiken Sonntag für Sonntag weite Strecken, oft weit über 100 km mit dem Auto, um in der einzigen katholischen Kirche der Region die Messe mitfeiern zu können.
Ein irrer Aufwand! Aber auch ein großer Zusammenhalt bei denjenigen, die diese Strapazen und Kosten(!) auf sich nehmen.
Auf unsere pastoralen Räume bezogen hieße das: ein pastoraler Raum wäre gleichbedeutend mit einer extrem großflächigen Gemeinde mit einem Gemeindezentrum und einer Kirche. Die Geistlichen und Hauptamtlichen würden zentral residieren. Der Vorteil wäre, dass die Kräfte gebündelt eingesetzt werden würden und die Kommunikationswege zwischen den Hauptamtlichen kurz wären. Die Gemeinde hätte ein erkennbares und (hoffentlich) identitätstiftendes Zentrum: "unsere Kirche".
Problematisch wir es für diejenigen, die verkehrstechnisch nicht flexibel sind. sei es, dass ihnen die Mittel (Auto, Spritgeld, Busanbindung usw.) fehlen, sei es, dass sie sich das körperlich nicht mehr zumuten können. Am ehesten ist das boreale Modell also noch in der Großsstadt anwendbar.
Eine Gefahr besteht auch darin, dass zentral residierende Kirchenmitarbeiter den Bezug zum "flachen Land", zum pagus verlieren. Das ist zur Zeit schon deutlich am Erzbistum Hamburg erkennbar. Die Bistumsverwaltung mit der Domkirche St. Marien hat sich den Spitznamen "Vatikan an der Alster" eingefangen, ihn sogar mal selbst auf der eigenen Bistumswebseite benutzt. Der sarkastische Ton bei dieser Namensgebung ist den dortigen Herren aber verborgen geblieben: die basisfernen einsamen Entscheidungen der Bistumsleitung in ihrer "splendid isolation"...
Zurück zur Praxis: Wenn das boreale Modell unter ungünstigen Bedingungen verwirklicht werden muss, wird man vom regelmäßigen sonntäglichen Messbesuch absehen müssen. Die Messe wird zum herausgehobenen Ereignis an bestimmten Terminen des Jahres werden. Ein Ereignis, dass dann aufwändiger gestaltet wird und einen Rahmen auch außerhalb des eigentlichen Gottesdienstes bekommt. Weil Englisch dafür so schön griffig ist: die Messe wird zum "event". Sie bekommt Kirchentagscharakter.
Vielleicht hatte Erzbischof Thissen das schon im Hinterkopf, als er seinen Dom zur "Kathedrale" für medienwirksame Großgottesdienste aufpimpen ließ.
(Übrigens: Ähnliches hat es früher in Skandinavien auch schon mal gegeben. In Norrland waren die Anfahrten mit Fuhrwerken und Schlittengespannen zu den Gottesdiensten für die Einödbauern so lang und beschwerlich, dass sie nur zu bestimmten Terminen kamen, dann aber führ mehrere Tage blieben. Zur Übernachtung bauten sie für ihre Familien kleine Holzhäuser, die ein eigenes kleines Städtchen rings um die Kirche bildeten. Das war dann immer auch ein kleines gesellschaftliches Ereignis mit Markt (="Messe") usw.)
Dieses Event-Modell dürfte besonders für die woanders schon beschriebenen Eventpilger interessant sein. Die Gefahr besteht, dass der trockene Glaubensalltag und die kontinuierliche Gemeindearbeit in pago aus dem Blick gerät.
Fortsetzung folgt.
Als da wären:
Das boreale Modell
Boreas ist der Nordwind, boreal heißt nördlich. Reisen wir also mal dem Polarstern entgegen. Viele kennen die Schilderungen aus der extremen Diaspora, beispielsweise aus Norwegen. Da fahren die wenigen Katholiken Sonntag für Sonntag weite Strecken, oft weit über 100 km mit dem Auto, um in der einzigen katholischen Kirche der Region die Messe mitfeiern zu können.
Ein irrer Aufwand! Aber auch ein großer Zusammenhalt bei denjenigen, die diese Strapazen und Kosten(!) auf sich nehmen.
Auf unsere pastoralen Räume bezogen hieße das: ein pastoraler Raum wäre gleichbedeutend mit einer extrem großflächigen Gemeinde mit einem Gemeindezentrum und einer Kirche. Die Geistlichen und Hauptamtlichen würden zentral residieren. Der Vorteil wäre, dass die Kräfte gebündelt eingesetzt werden würden und die Kommunikationswege zwischen den Hauptamtlichen kurz wären. Die Gemeinde hätte ein erkennbares und (hoffentlich) identitätstiftendes Zentrum: "unsere Kirche".
Problematisch wir es für diejenigen, die verkehrstechnisch nicht flexibel sind. sei es, dass ihnen die Mittel (Auto, Spritgeld, Busanbindung usw.) fehlen, sei es, dass sie sich das körperlich nicht mehr zumuten können. Am ehesten ist das boreale Modell also noch in der Großsstadt anwendbar.
Eine Gefahr besteht auch darin, dass zentral residierende Kirchenmitarbeiter den Bezug zum "flachen Land", zum pagus verlieren. Das ist zur Zeit schon deutlich am Erzbistum Hamburg erkennbar. Die Bistumsverwaltung mit der Domkirche St. Marien hat sich den Spitznamen "Vatikan an der Alster" eingefangen, ihn sogar mal selbst auf der eigenen Bistumswebseite benutzt. Der sarkastische Ton bei dieser Namensgebung ist den dortigen Herren aber verborgen geblieben: die basisfernen einsamen Entscheidungen der Bistumsleitung in ihrer "splendid isolation"...
Zurück zur Praxis: Wenn das boreale Modell unter ungünstigen Bedingungen verwirklicht werden muss, wird man vom regelmäßigen sonntäglichen Messbesuch absehen müssen. Die Messe wird zum herausgehobenen Ereignis an bestimmten Terminen des Jahres werden. Ein Ereignis, dass dann aufwändiger gestaltet wird und einen Rahmen auch außerhalb des eigentlichen Gottesdienstes bekommt. Weil Englisch dafür so schön griffig ist: die Messe wird zum "event". Sie bekommt Kirchentagscharakter.
Vielleicht hatte Erzbischof Thissen das schon im Hinterkopf, als er seinen Dom zur "Kathedrale" für medienwirksame Großgottesdienste aufpimpen ließ.
(Übrigens: Ähnliches hat es früher in Skandinavien auch schon mal gegeben. In Norrland waren die Anfahrten mit Fuhrwerken und Schlittengespannen zu den Gottesdiensten für die Einödbauern so lang und beschwerlich, dass sie nur zu bestimmten Terminen kamen, dann aber führ mehrere Tage blieben. Zur Übernachtung bauten sie für ihre Familien kleine Holzhäuser, die ein eigenes kleines Städtchen rings um die Kirche bildeten. Das war dann immer auch ein kleines gesellschaftliches Ereignis mit Markt (="Messe") usw.)
Dieses Event-Modell dürfte besonders für die woanders schon beschriebenen Eventpilger interessant sein. Die Gefahr besteht, dass der trockene Glaubensalltag und die kontinuierliche Gemeindearbeit in pago aus dem Blick gerät.
Fortsetzung folgt.

Ismael- Plaudertasche

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Ort: Ultima Thule
Das Moped-Modell
Beim Moped-Modell reisen nicht die Gemeindekinder zu Pfarrkirche, sondern der Priester reist zu den Gemeindkindern in die Gemeinden, seien dies nun klassische Ortsgemeinden mit eigener Kirche, Graswurzelgemeinden, Familien, Konvente oder andere Gemeinschaften.
Das bekannte Bild: der Pfarrer mit einem klapprigen Moped auf einer schlammigen Piste in Brasilien. Es muss ja nicht unbedingt ein Moped sein, ich habe es erlebt, wie ein Bischof mit einem Mordsbrocken von Hubschrauber in ein kleines Dorf in Lappland einschwebte, um in einer winzigen Kirche Gottesdienst zu feiern. (Vor dem Gottesdienst stieg jemand aufs Dach, um das Rauchloch der mit Reisig und Rentierfellen ausgelegten Kothe auf zu machen.)
Vorteil: Der Geistliche bekommt mit, wie die Leute leben. Wenigstens spürt er die Schlaglöcher in den Knochen. Das müssen ja nicht nur die Schlaglöcher auf der Schotterpiste sein, das Leben der Leute hat ja auch so seine Unebenheiten.
Nachteil: vielleicht mehr als beim borealen Modell hat der Priester den Job des Sakramenteurs. Überall wird erst einmal eine Heilige Messe von ihm verlangt, es ist Beichte zu hören, Kinder sind zu taufen, Kranke zu salben, Tote zu be... - nein, die lässt man hoffentlich nicht so lange liegen, das Beerdigen machen Laienhelfer!
Teilweise haben wir das ja schon, wenn ein Pfarrer bei uns drei oder mehr Gemeinden am Sonntag abklappert. Wenn es schlimmer wird, - EB Thissen erzählte ganz "ermutigend" ;-< von einem Besuch in einem mexikanischen Armenviertel, wo alle Vierteljahr mal ein Priester vorbei kommt - bricht der Kontakt zu den Gemeindegliedern ab, man kennt sich nicht mehr.
Und die Messe, die bislang Mitte und Kraftquelle katholischen Lebens war, wird zum Ausnahmefall.
Fortsetzung folgt.
Das bekannte Bild: der Pfarrer mit einem klapprigen Moped auf einer schlammigen Piste in Brasilien. Es muss ja nicht unbedingt ein Moped sein, ich habe es erlebt, wie ein Bischof mit einem Mordsbrocken von Hubschrauber in ein kleines Dorf in Lappland einschwebte, um in einer winzigen Kirche Gottesdienst zu feiern. (Vor dem Gottesdienst stieg jemand aufs Dach, um das Rauchloch der mit Reisig und Rentierfellen ausgelegten Kothe auf zu machen.)
Vorteil: Der Geistliche bekommt mit, wie die Leute leben. Wenigstens spürt er die Schlaglöcher in den Knochen. Das müssen ja nicht nur die Schlaglöcher auf der Schotterpiste sein, das Leben der Leute hat ja auch so seine Unebenheiten.
Nachteil: vielleicht mehr als beim borealen Modell hat der Priester den Job des Sakramenteurs. Überall wird erst einmal eine Heilige Messe von ihm verlangt, es ist Beichte zu hören, Kinder sind zu taufen, Kranke zu salben, Tote zu be... - nein, die lässt man hoffentlich nicht so lange liegen, das Beerdigen machen Laienhelfer!
Teilweise haben wir das ja schon, wenn ein Pfarrer bei uns drei oder mehr Gemeinden am Sonntag abklappert. Wenn es schlimmer wird, - EB Thissen erzählte ganz "ermutigend" ;-< von einem Besuch in einem mexikanischen Armenviertel, wo alle Vierteljahr mal ein Priester vorbei kommt - bricht der Kontakt zu den Gemeindegliedern ab, man kennt sich nicht mehr.
Und die Messe, die bislang Mitte und Kraftquelle katholischen Lebens war, wird zum Ausnahmefall.
Fortsetzung folgt.

Ismael- Plaudertasche

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Ort: Ultima Thule
Re: Pastorale Räume
Ismael schrieb:
Nachteil: vielleicht mehr als beim borealen Modell hat der Priester den Job des Sakramenteurs. Überall wird erst einmal eine Heilige Messe von ihm verlangt, es ist Beichte zu hören, Kinder sind zu taufen, Kranke zu salben, Tote zu be... - nein, die lässt man hoffentlich nicht so lange liegen, das Beerdigen machen Laienhelfer!
Nachteil: ich weiss nicht ob ihr gelesen habt, dass in Italien so einem Moped-Modell-Priester der Fuehrerschein entzogen wurde, weil er nach vier hl. Messen in vier verschiedenen Gemeinden zu viel Alkohol im Blut hatte.
Sonst trinkt er nie.
_________________
“Ohne Bildung laufen wir Gefahr diejenigen Ernst zu nehmen, die gebildet sind”.
G. K. Chesterton

Sorriso- Forenlegende

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Ort: Crema (Italien)
Re: Pastorale Räume
Hi Isi,
ich antworte etwas allgemein, aus Gründen der wetterbedingten Müdigkeit.
Vielleicht schaffe ich es die Tage, näher auf Deine Modelle einzugehen.
Mir sind beim Lesen Deiner beiden Postings zwei Dinge eingefallen:
1. "Fürchte Dich nicht, Du kleine Herde
2. Wenn man liebt, ist kein Weg zu weit und kein Berg zu steil.
Ich sage es einmal ein bisschen salopp: Die Priester sind nicht dazu da, um uns das Leben als Christ möglichst bequem zu gestalten.
Wir sollten uns ausserdem von dem Gedanken verabschieden, dass der kirchliche Service vor der Haustüre stattfindet und wir sollten uns davon verabschieden, dass wir ein Recht haben auf ein komplettes, bequemes spirituelles Leben ohne Anstrengung. Eigentlich hat sowie niemand von uns auch nur das entfernteste Recht auf Versorgung mit Eucharistiefeiern oder den Sakramenten. Sie sind Geschenk, unverdiente Gnade.
Keine Dienstleistung.
Viele Leute unserer Gemeinschaft kommen von weit her, sie haben einen Anfahrtsweg von oft einer Stunde und mehr, auch die Priester. Die Frage, die hier für zu stellen ist, ob ich bereit bin, ein bisschen Anstrengung zu unternehmen, um das Heil zu bekommen?
Alles in Allem: Auch wenn ich die Situation in der Diaspora nicht wirklich kenne, ich finde beide Szenarien, die Du beschrieben hast, per se nicht schlecht.
Die, die Christus lieben, werden alles tun, um ihn in der Eucharistie empfangen zu können. Und die Priester, die Christus lieben, werden alles tun, um ihn zu verkündigen und in den Sakramenten gegenwärtig zu machen.
Bei uns ist es Usus, dass die Priester kurz vor oder nach der Weihe für mindestens ein Jahr auf Mission geschickt werden.
Der Priester meiner Gemeinschaft war zwei Jahre in der kasachischen Steppe. Dort hat es auf hunderten von Quadratkilometern eine Handvoll Katholiken. Aber es gibt sie. Die Kirche ist, auch wenn sie noch so klein ist, anwesend.
"Fürchte Dich nicht, Du kleine Herde"
Oder gnaz kurz im Stenographenstil: Die Zeiten des (flächendeckenden) Gesellschaftschristentums sind endgültig vorbei. Jetzt ist die Zeit der Berufungschristen.
Petra
ich antworte etwas allgemein, aus Gründen der wetterbedingten Müdigkeit.
Vielleicht schaffe ich es die Tage, näher auf Deine Modelle einzugehen.
Mir sind beim Lesen Deiner beiden Postings zwei Dinge eingefallen:
1. "Fürchte Dich nicht, Du kleine Herde
2. Wenn man liebt, ist kein Weg zu weit und kein Berg zu steil.
Ich sage es einmal ein bisschen salopp: Die Priester sind nicht dazu da, um uns das Leben als Christ möglichst bequem zu gestalten.
Wir sollten uns ausserdem von dem Gedanken verabschieden, dass der kirchliche Service vor der Haustüre stattfindet und wir sollten uns davon verabschieden, dass wir ein Recht haben auf ein komplettes, bequemes spirituelles Leben ohne Anstrengung. Eigentlich hat sowie niemand von uns auch nur das entfernteste Recht auf Versorgung mit Eucharistiefeiern oder den Sakramenten. Sie sind Geschenk, unverdiente Gnade.
Keine Dienstleistung.
Viele Leute unserer Gemeinschaft kommen von weit her, sie haben einen Anfahrtsweg von oft einer Stunde und mehr, auch die Priester. Die Frage, die hier für zu stellen ist, ob ich bereit bin, ein bisschen Anstrengung zu unternehmen, um das Heil zu bekommen?
Alles in Allem: Auch wenn ich die Situation in der Diaspora nicht wirklich kenne, ich finde beide Szenarien, die Du beschrieben hast, per se nicht schlecht.
Die, die Christus lieben, werden alles tun, um ihn in der Eucharistie empfangen zu können. Und die Priester, die Christus lieben, werden alles tun, um ihn zu verkündigen und in den Sakramenten gegenwärtig zu machen.
Bei uns ist es Usus, dass die Priester kurz vor oder nach der Weihe für mindestens ein Jahr auf Mission geschickt werden.
Der Priester meiner Gemeinschaft war zwei Jahre in der kasachischen Steppe. Dort hat es auf hunderten von Quadratkilometern eine Handvoll Katholiken. Aber es gibt sie. Die Kirche ist, auch wenn sie noch so klein ist, anwesend.
"Fürchte Dich nicht, Du kleine Herde"
Oder gnaz kurz im Stenographenstil: Die Zeiten des (flächendeckenden) Gesellschaftschristentums sind endgültig vorbei. Jetzt ist die Zeit der Berufungschristen.
Petra
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Petra- Admin

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Re: Pastorale Räume
Bin irgendwie kreislaufmäßig total am Ende und ein weing kank, deshalb genauso Telegammstil: Petra du hast recht
Allerdings geht mir total auf den Wecker, dass uns diese patoralen Räume als gaanz, gaanz toll verkauft werden.
Also irgendwie der Ernst der Situation nicht erkannt wird. Ihc ahbe das gefühl es wird getröstet, bevor geweint wird.
Allerdings geht mir total auf den Wecker, dass uns diese patoralen Räume als gaanz, gaanz toll verkauft werden.
Also irgendwie der Ernst der Situation nicht erkannt wird. Ihc ahbe das gefühl es wird getröstet, bevor geweint wird.

Ester- Forenlegende

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Re: Pastorale Räume
OT:
Ester, Dir von Herzen gute Besserung.
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Petra- Admin

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Re: Pastorale Räume
Petra schrieb:OT:
Ester, Dir von Herzen gute Besserung.
Ich haenge mich Dir an, da Du ja schon OT geschrieben hattest.
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Re: Pastorale Räume
Hervorhebung von mir.Petra schrieb:[...]
Ich sage es einmal ein bisschen salopp: Die Priester sind nicht dazu da, um uns das Leben als Christ möglichst bequem zu gestalten.
Wir sollten uns ausserdem von dem Gedanken verabschieden, dass der kirchliche Service vor der Haustüre stattfindet und wir sollten uns davon verabschieden, dass wir ein Recht haben auf ein komplettes, bequemes spirituelles Leben ohne Anstrengung. Eigentlich hat sowie niemand von uns auch nur das entfernteste Recht auf Versorgung mit Eucharistiefeiern oder den Sakramenten. Sie sind Geschenk, unverdiente Gnade.
Keine Dienstleistung. [...]
Petra
Hmm, nun ist aber doch gerade die Eucharisiefeier, "typisch katholisch", immer als Herzstück von Kirche an sich gelehrt worden.
Hat die Gemeinde kein Recht auf das, was sie im Innersten und Tiefsten begründet?
Ismael- Plaudertasche

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Re: Pastorale Räume
Auch wenn sie das Herzstück unseres Glaubens sind ein Anrcht haben wir darauf nicht.
Das wichtige ist für die Bekehrung der Menschen zu beten und um Berufungen.
Wir müssen uns klar machen dass es nicht zu wenig Berufungen gibt sondern insgesamt zu wenig Gläubige. Denn auf die Zahl der Gläubigen gesehen hat die Zahl der Priester in Deutschland nicht abgenommen.
Also auf zur Neuevangelisation Deutschlands.
Dann bekommt auch jede GEmeinde wieder ihren Priester.
Das wichtige ist für die Bekehrung der Menschen zu beten und um Berufungen.
Wir müssen uns klar machen dass es nicht zu wenig Berufungen gibt sondern insgesamt zu wenig Gläubige. Denn auf die Zahl der Gläubigen gesehen hat die Zahl der Priester in Deutschland nicht abgenommen.
Also auf zur Neuevangelisation Deutschlands.
Dann bekommt auch jede GEmeinde wieder ihren Priester.

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Re: Pastorale Räume
Ismael schrieb:Hervorhebung von mir.Petra schrieb:[...]
Ich sage es einmal ein bisschen salopp: Die Priester sind nicht dazu da, um uns das Leben als Christ möglichst bequem zu gestalten.
Wir sollten uns ausserdem von dem Gedanken verabschieden, dass der kirchliche Service vor der Haustüre stattfindet und wir sollten uns davon verabschieden, dass wir ein Recht haben auf ein komplettes, bequemes spirituelles Leben ohne Anstrengung. Eigentlich hat sowie niemand von uns auch nur das entfernteste Recht auf Versorgung mit Eucharistiefeiern oder den Sakramenten. Sie sind Geschenk, unverdiente Gnade.
Keine Dienstleistung. [...]
Petra
Hmm, nun ist aber doch gerade die Eucharisiefeier, "typisch katholisch", immer als Herzstück von Kirche an sich gelehrt worden.
Hat die Gemeinde kein Recht auf das, was sie im Innersten und Tiefsten begründet?
Isi,
ich versuche, es Dir zu erklären:
Wir haben kein Recht auf die Eucharistie oder die Sakramente, so wie man beispielsweise ein Recht darauf hat, dass der Bus pünktlich fährt und der Kühlschrank immer gefüllt ist.
Christus ist aus freiem Willen für uns ans Kreuz gegangen, nicht weil er musste.
Und wir Sünder sind der Liebe, die dieser Erlösungstat zugrunde liegt, nicht würdig. Wir haben uns diesen Akt der Liebe Christi am Kreuz nicht verdient. Niemand von uns.
Wir haben von uns aus kein Recht, keinen Anspruch auf die Eucharistie, sie ist, wie die Erlösung ein Geschenk, keine Dienstleistung.
Auch wenn sie das Zentrum unseres Glaubens ist (Glauben! keine Überzeugung!*), sie ist und bleibt, ein jedes Mal, wenn wir sie feiern und empfangen, ein Entgegenkommen Christi.
Noch etwas: Unsere Welt, das liegt in in ihrer Natur, ist unvollkommen und fehlerhaft. Also auch der Mensch, der in dieser Welt lebt. Und auch der sichtbare Leib der Kirche, die ja wir wir alle wissen, aus Menschen besteht.
Eine lückenlose Rundum-Versorgung mit geistlichen Gütern dürfen wir also erst im Himmel erwarten, falls wir sie dort überhaupt noch brauchen.
LG
Petra
* siehe Röm 8,24:
Denn wir sind gerettet, doch in der Hoffnung. Hoffnung aber, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung. Wie kann man auf etwas hoffen, das man sieht?
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Petra- Admin

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Re: Pastorale Räume
Immer wenn ich sowas lese, oder höre (darüber, dass man ein Recht auf irgendetwas habe), dann taucht vor meinem geistigen Auge mein alter Geschichtslehrer, (ein kleines altes Männlein, dass mit uns eigentlich nur stur Jahreszahlen und Namen gepaukt hatte) auf.
Es gab einen Anlass, wo er seine dozierende Art verlor und das war seltsamerweise bei der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung.
Ich höre ihn heute noch mit verklärter Stimme und verklärtem Blick sagen:....the Persuit of Happiness, das bedeutet das jeder das Recht hat nach Glück zu streben......
Ich selber bin immer noch nicht über die Verwunderung des Schulmädchens hinweg gekommen, warum man etwas was doch jeder tut so glorifizieren muss.
Aber um zum Punkt zu kommen, ich denke mal unser Problem ist, dass wir aus diesem Persuit of Happiness ableiten auch ein Recht darauf zu haben dieses Glück zu erreichen und zwar da wo wir es erreichen wollen.
Genau das versaut das Verhältnis der Menschen zu Gott.
Gott ist der liebende Vater, der uns alles gönnt und schenken will, der uns liebt, aber wir führen uns auf wie verwöhnte Gören, denen man eigentlich nichts mehr schenken kann.
Um es mal ins absolut Profane zu ziehen. Wenn ich ein Fest vorbereite mit tollem Essen oder so, wo alles im Kühlschrank steht und auf die Gäste wartet, so verdirbt es alles, wenn die bereits anwesende Familie vorher über die Torte herfällt.
Damit man mich nicht falsch versteht, ich finde Rechtssicherheit okay und wichtig. Ich halte auch das aktuelle Gerichtswesen für gut und dies für eine wichtige Errungenschaft und habe auch nichts gegen die Amerikaner.
Aber irgendwie scheint mir das Problem unserer Zeit zu sein, zumindest im Westen, das wir uns alle zu gemütlich in ihr eingerichtet haben.
Es gab einen Anlass, wo er seine dozierende Art verlor und das war seltsamerweise bei der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung.
Ich höre ihn heute noch mit verklärter Stimme und verklärtem Blick sagen:....the Persuit of Happiness, das bedeutet das jeder das Recht hat nach Glück zu streben......
Ich selber bin immer noch nicht über die Verwunderung des Schulmädchens hinweg gekommen, warum man etwas was doch jeder tut so glorifizieren muss.
Aber um zum Punkt zu kommen, ich denke mal unser Problem ist, dass wir aus diesem Persuit of Happiness ableiten auch ein Recht darauf zu haben dieses Glück zu erreichen und zwar da wo wir es erreichen wollen.
Genau das versaut das Verhältnis der Menschen zu Gott.
Gott ist der liebende Vater, der uns alles gönnt und schenken will, der uns liebt, aber wir führen uns auf wie verwöhnte Gören, denen man eigentlich nichts mehr schenken kann.
Um es mal ins absolut Profane zu ziehen. Wenn ich ein Fest vorbereite mit tollem Essen oder so, wo alles im Kühlschrank steht und auf die Gäste wartet, so verdirbt es alles, wenn die bereits anwesende Familie vorher über die Torte herfällt.
Damit man mich nicht falsch versteht, ich finde Rechtssicherheit okay und wichtig. Ich halte auch das aktuelle Gerichtswesen für gut und dies für eine wichtige Errungenschaft und habe auch nichts gegen die Amerikaner.
Aber irgendwie scheint mir das Problem unserer Zeit zu sein, zumindest im Westen, das wir uns alle zu gemütlich in ihr eingerichtet haben.

Ester- Forenlegende

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Recht auf das Herrenmahl?
Petra schrieb:
Christus ist aus freiem Willen für uns ans Kreuz gegangen, nicht weil er musste.
Und wir Sünder sind der Liebe, die dieser Erlösungstat zugrunde liegt, nicht würdig. Wir haben uns diesen Akt der Liebe Christi am Kreuz nicht verdient. Niemand von uns.
Wir haben von uns aus kein Recht, keinen Anspruch auf die Eucharistie, sie ist, wie die Erlösung ein Geschenk, keine Dienstleistung.
Das die Eucharistie eine Dienstleistung wäre, hat ja niemand behauptet. Natürlich ist sie ein Geschenk. Allerdings ein Geschenk, das uns Christus in der Nacht vor seinem Tode gemacht hat. Niemand hat das Recht, uns dieses Geschenk nun wieder zu entziehen.
Das Leben aus den Sakramenten ist ja nicht irgendwie ein Luxus wie ein all-inclusive Urlaub, auf den man in schlechten Zeiten eben verzichten muss. Sakramente sind keine geistliche Torte, die, weil im Übermaß genossen, zu Herz- und Hirnverfettung führt. Nein, sie sind wie Wasser und Brot für den Glauben, darauf haben wir schon ein Anrecht.
Aber vielleicht sollten wir das Leben aus den Sakramenten woanders diskutieren, hier ist nur nach ihrer Rolle in den pastoralen Notstandsgebieten gefragt.

Ismael- Plaudertasche

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Re: Pastorale Räume
Wir haben aber kein Recht auf ein Geschenk.
Und es steht geschrieben :...... es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen, dann werden sie fasten....."
Und es steht geschrieben :...... es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen, dann werden sie fasten....."

Ester- Forenlegende

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Das Kirchturm-Modell
Mit Kirchturm-Modell meine ich die Beibehaltung der klassichen terrtorialen Ortsgemeinde, die, ohne eigenen Priester, aber keine Pfarrei mehr ist. Im Grunde ist das die Situation, die wir in der Diaspora zur Zeit schon haben.
Die Vorteile liegen auf der Hand:
Personal, Strukturen und Gebäude sind vorhanden. Es müsste zwar einiges verändert, aber kaum etwas neu erfunden werden.
Mit einer eigenen Kirche und dem Gemeindezentrum hat die Gemeinde einen auch im Ortsbild deutlich erkennbaren Lebensmittelpunkt (deswegen: Kirchturm-Modell).
Die Wege für die Gläubigen bleiben im gewohnten Rahmen.
Für Neubürger und Reisende ist sie schnell zu finden. (Immer, wenn ich umgezogen war, suchte ich "meine" zukünftige Gemeinde auf dem Stadtplan.)
Da die Kirchengebäude als Ort der Liturgie vorhanden sind, bietet sich die Kombination mit dem Moped- Modell, ich sollte jetzt vielleicht lieber Moped-Modul sagen, an.
Die Nachteile sind ebenso klar:
Ein großer Aufwand an Personal und Kosten. (Bei uns: 300 000 € p. a. für eine relativ lebendige Gemeinde mit großer Kirche, 30 000 € p. a. für eine von einer Betreuerfamilie betreuten Filialkirche)
Das ist nur mit hohem persönlichen Einsatz zu stemmen. Also einem freiwilligen Kirchgeld, regelmäßigen Spenden und vor allem ehrenamtlichem Engagement. Die Gefahr, dass sich die Gläubigen der Illusion einer versorgten statt dem Ideal einer sorgenden Gemeinde hingeben, ist angesichts der Fassade intakter Strukturen sehr groß. Aber diese Seifenblase platzt schnell!
Ganz konkret: Bei uns in der Stadt wurde vor wenigen Wochen eine Gemeindekirche abgerissen und das Gemeindegebiet einer benachbarten Pfarrei zugeschlagen. Gründe: zu hohe Renovierungskosten, schlapper Gottesdienstbesuch (bei dem Pfarrer kein Wunder!). Engagement? Ja, zum Heckeschneiden und Rasenmähen findest du immer jemanden. Aber den Kommunionunterricht selber machen, in die Firmkatechese einsteigen, Krankenbesuchsdienst übernehmen??? --- Pause! Klar, dass der Laden dichtgemacht wird. Das Dumme: Ein Neuanfang wäre schwierig. Selbst wenn da plötzlich ein Trupp total motivierter Leute aufkreuzen würde, - die Kirche ist weg! Die kann man nicht eben mal neu bauen. Und mit der Kirche ist auch die Kinder- und Jugendarbeit, die Katechese, die Liturgie, der Ansprechpartner am Ort weg.
Ich habe die Zahlen nicht vorliegen, aber ich könnte wetten, die Instandhaltungskosten für unsere inzwischen 100 Jahre alte Kirche (eine ewige Baustelle) sind mindestens eben so hoch wie bei der eben genannten. Warum knipst der Bischof nicht auch bei uns das Licht aus? Eigenlob stinkt, trotzdem: Auf der Liste der Ehrenamtlichen stehen wohl über 200 Namen. Nur die irgendwie registrierten, es gibt ja auch die unsichtbaren Geister. Da passiert schon einiges.
Aber man muss schon ordentlich kämpfen. Eine andere kleine Gemeinde - eigentlich schon in der Pampa - hat es geschafft: die Kirche beleibt im Dorf! Aber dazu muss man sie mit Leben füllen. Erzbischof Thissen (EB Hamburg) hat am letzten Sonntag sein Kriterium genannt: Eine Kirche, in der täglich gebetet wird (also irgendein Gottesdienst, eine Andacht o. Ä. stattfindet), wird nicht geschlossen.
Die Vorteile liegen auf der Hand:
Personal, Strukturen und Gebäude sind vorhanden. Es müsste zwar einiges verändert, aber kaum etwas neu erfunden werden.
Mit einer eigenen Kirche und dem Gemeindezentrum hat die Gemeinde einen auch im Ortsbild deutlich erkennbaren Lebensmittelpunkt (deswegen: Kirchturm-Modell).
Die Wege für die Gläubigen bleiben im gewohnten Rahmen.
Für Neubürger und Reisende ist sie schnell zu finden. (Immer, wenn ich umgezogen war, suchte ich "meine" zukünftige Gemeinde auf dem Stadtplan.)
Da die Kirchengebäude als Ort der Liturgie vorhanden sind, bietet sich die Kombination mit dem Moped- Modell, ich sollte jetzt vielleicht lieber Moped-Modul sagen, an.
Die Nachteile sind ebenso klar:
Ein großer Aufwand an Personal und Kosten. (Bei uns: 300 000 € p. a. für eine relativ lebendige Gemeinde mit großer Kirche, 30 000 € p. a. für eine von einer Betreuerfamilie betreuten Filialkirche)
Das ist nur mit hohem persönlichen Einsatz zu stemmen. Also einem freiwilligen Kirchgeld, regelmäßigen Spenden und vor allem ehrenamtlichem Engagement. Die Gefahr, dass sich die Gläubigen der Illusion einer versorgten statt dem Ideal einer sorgenden Gemeinde hingeben, ist angesichts der Fassade intakter Strukturen sehr groß. Aber diese Seifenblase platzt schnell!
Ganz konkret: Bei uns in der Stadt wurde vor wenigen Wochen eine Gemeindekirche abgerissen und das Gemeindegebiet einer benachbarten Pfarrei zugeschlagen. Gründe: zu hohe Renovierungskosten, schlapper Gottesdienstbesuch (bei dem Pfarrer kein Wunder!). Engagement? Ja, zum Heckeschneiden und Rasenmähen findest du immer jemanden. Aber den Kommunionunterricht selber machen, in die Firmkatechese einsteigen, Krankenbesuchsdienst übernehmen??? --- Pause! Klar, dass der Laden dichtgemacht wird. Das Dumme: Ein Neuanfang wäre schwierig. Selbst wenn da plötzlich ein Trupp total motivierter Leute aufkreuzen würde, - die Kirche ist weg! Die kann man nicht eben mal neu bauen. Und mit der Kirche ist auch die Kinder- und Jugendarbeit, die Katechese, die Liturgie, der Ansprechpartner am Ort weg.
Ich habe die Zahlen nicht vorliegen, aber ich könnte wetten, die Instandhaltungskosten für unsere inzwischen 100 Jahre alte Kirche (eine ewige Baustelle) sind mindestens eben so hoch wie bei der eben genannten. Warum knipst der Bischof nicht auch bei uns das Licht aus? Eigenlob stinkt, trotzdem: Auf der Liste der Ehrenamtlichen stehen wohl über 200 Namen. Nur die irgendwie registrierten, es gibt ja auch die unsichtbaren Geister. Da passiert schon einiges.
Aber man muss schon ordentlich kämpfen. Eine andere kleine Gemeinde - eigentlich schon in der Pampa - hat es geschafft: die Kirche beleibt im Dorf! Aber dazu muss man sie mit Leben füllen. Erzbischof Thissen (EB Hamburg) hat am letzten Sonntag sein Kriterium genannt: Eine Kirche, in der täglich gebetet wird (also irgendein Gottesdienst, eine Andacht o. Ä. stattfindet), wird nicht geschlossen.
Werner, wir haben das gehört! Jetzt steht es im world wide web!



Ismael- Plaudertasche

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Re: Pastorale Räume
Ismael schrieb:Petra schrieb:
Christus ist aus freiem Willen für uns ans Kreuz gegangen, nicht weil er musste.
Und wir Sünder sind der Liebe, die dieser Erlösungstat zugrunde liegt, nicht würdig. Wir haben uns diesen Akt der Liebe Christi am Kreuz nicht verdient. Niemand von uns.
Wir haben von uns aus kein Recht, keinen Anspruch auf die Eucharistie, sie ist, wie die Erlösung ein Geschenk, keine Dienstleistung.
Das die Eucharistie eine Dienstleistung wäre, hat ja niemand behauptet. Natürlich ist sie ein Geschenk. Allerdings ein Geschenk, das uns Christus in der Nacht vor seinem Tode gemacht hat. Niemand hat das Recht, uns dieses Geschenk nun wieder zu entziehen.
Das Leben aus den Sakramenten ist ja nicht irgendwie ein Luxus wie ein all-inclusive Urlaub, auf den man in schlechten Zeiten eben verzichten muss. Sakramente sind keine geistliche Torte, die, weil im Übermaß genossen, zu Herz- und Hirnverfettung führt. Nein, sie sind wie Wasser und Brot für den Glauben, darauf haben wir schon ein Anrecht.
Aber vielleicht sollten wir das Leben aus den Sakramenten woanders diskutieren, hier ist nur nach ihrer Rolle in den pastoralen Notstandsgebieten gefragt.
Isi,
ich leide müdigkeitshalber (gestern abend ein Treffen mit meiner Gemeinschaft bis halb ein Uhr nachts
) unter leichten Wortfindungsstörungen. Deshalb wieder nur einigermassen kurz:Ein Geschenk ist ein Geschenk. Und ein Geschenk ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eben ein Geschenk. Eine Gabe aus freiem Willen und aus Liebe, unverdient für denjenigen, der das Geschenk erhält.
Und Christus hat dieses Geschenk in die Hände von schwachen Menschen gegeben, um es weiterzureichen und fortleben zu lassen. Und Menschen sind niemals zu 100% perfekt und machen immer alles richtig.
Es geht mir primär um die Haltung:
Wenn ich beginne, die Eucharistie oder die Sakramente im allgemeinen für etwas Selbstverständliches, etwas Verdientes zu halten, das ich, immer wann ich es wünsche, konsumieren darf, verliere ich, um es etwas poetsich auszudrücken, die Demut, ja vielleicht auch die Liebe, das Verlangen, die Sehnsucht.
Es wird Routine, wie die tägliche Dusche. Flach.
Und ich verliere, das wäre das "Worst Case", das Wissen darum, dass ich ein Sünder bin, der eben auf die unverdiente Gnade, auf das Geschenk angewiesen ist. Der angewiesen ist auf das Entgegenkommen Christi.
Petra
P.S. Vielleicht splitte ich. Ich hab nur noch keine Idee für einen passenden Thread-Titel.
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Re: Pastorale Räume
Danke Petra.
ich denke langsam, dass es das ist, was wir vergessen haben.
Wir sind Sünder, so große Sünder, dass Christus so grausam leiden musste um uns überhaupt in die Lage zu setzten "anständige" Menschen werden zu können (Konjunktiv).
Christus hat sich in die Hände der Menschen gegeben,a ber IHN, den nochnichteinmal der Tod halten konnte, können wir doch nicht halten, und schon gar nicht in den Griff kriegen.
Das ist zwar einerseits sehr ärgerlich, aber richtig betrachtet wunderbar.
Bin ebenfalls sehr kurz, noch ein bißchen angeschlagen und mit der liegengebliebenen Arbeit beschäftigt.
ich denke langsam, dass es das ist, was wir vergessen haben.
Wir sind Sünder, so große Sünder, dass Christus so grausam leiden musste um uns überhaupt in die Lage zu setzten "anständige" Menschen werden zu können (Konjunktiv).
Christus hat sich in die Hände der Menschen gegeben,a ber IHN, den nochnichteinmal der Tod halten konnte, können wir doch nicht halten, und schon gar nicht in den Griff kriegen.
Das ist zwar einerseits sehr ärgerlich, aber richtig betrachtet wunderbar.
Bin ebenfalls sehr kurz, noch ein bißchen angeschlagen und mit der liegengebliebenen Arbeit beschäftigt.

Ester- Forenlegende

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